Am Ende landet doch alles im Blog
Ursprünglich sollte dies Beitrag Lösungen, oder Lösungsansätze genannt werden. Die Umbenennung in Ideen soll deutlicher machen, dass es meine eigenen Vorschläge sind und es mit Sicherheit noch deutlich mehr Ansätze gibt.
Generell sehe ich zwei getrennt Wege, die bei der Lösung der der Herausforderungen mit der Entstehung von Megakons, eingeschlagen werden können. Zum einen der Weg zu einer exterritorialen Interessenvertretung, zum anderen der Weg zum Einzelnen. Eventuell bedarf es allerdings auch gar keinen Weg, wenn man sich die Entwicklung von AOL und Microsoft anschaut. Beides Unternehmen, die bei einer Ausarbeitung vor 10 Jahren, mit Sicherheit als Megakons durchgegangen wären.
Eine Aufgabe, die von den Vereinten Nationen (UN) und ihrer Spezialorganisationen besetzt wird. Schaut man sich die Liste dieser Organisationen an, so finde ich keine die ein 100% Abdeckung erzielt. Die ITU in Genf ist zu technisch. Die WIPU zu spezialisiert auf geistiges Eigentum. Wer würde von diesen Organisation mit den Megakons in Kontakt stehen? Mitwirken am Aufbau von Schlichterstellen, sollte es einmal zu größeren Herausforderungen kommen, wie die Eskalation um Ilse Aigner's Facebook Account im letzten Jahr.
Ähnlich wie das Geld nur funktioniert, da wir daran glauben, dass es einen Wert hat, funktionieren die Hausregeln der Megakons und ihre Prozesse nur, da es Anwender gibt, die mitspielen. Dies soll jetzt nicht zum Aufruf zu Protest gewertet werden - ganz im Gegenteil!. Eher soll es ein Aufruf an die Bildung sein. Die Vermittlung von Werten, wie das Recht zur Anonymität oder auch die Regulierung von Märkten sind zwar zunächst trockene Theorie - helfen aber nicht nur nackte Medienkompetenz zu predigen, sondern aufgeklärte Bürger zu bekommen.
Bereits im vorletzten Beitrag zu den Megakons hatte ich mich von der Analogie zu Shadowrun/Shadowland verabschiedet. Sie soll hier auch nicht noch einmal strapaziert werden. Stattdessen sollen die gesellschaftlichen Herausforderungen, die durch die Entstehung von Megakons existieren, beleuchtet werden.
Exterritorialität in der Wirtschaft hat durch die Virtualisierung von Produktionsstätten eine andere Bedeutung erhahlten. Zwar kennt man von Google, Facebook und Co. noch das Headquarter, jedoch spielt dies wohl eher eine untergeordnete Rolle. Hoheitliche Aufgaben müssen für die Aufrechterhatlung des Geschäftsbetriebes durch die Megakons mit übernommen werden. Markt, Identität, Eigentum - Dinge, die in den vorang gegangenen Beiträgen bearbeitet wurden.
Skalierbarkeit hinsichtlich der Anwender, ist bei den territorialen Organisationsformen gegeben. Bei den Megakons sind diese allerdings nicht in gleicher Form gewachsen. Man stelle sich zum Beispiel vor, man könnte nur im direken Kontakt mit der Bundesdruckerei einen Personalausweis bekommen. Die Herausforderungen, die sich bei den Megakons gerade bei der übernahme von Aufgaben in ihrem Einflussbereich ergeben, sind besonders bei der Interessensvertretung gegeben. Ist man Kunde? Anwender? - Eine Skalierbarkeit des Kundendienstes, die mit der Skalierbarkeit der territorialen Verwaltung vergeleichbar ist, scheint nicht erkennbar. Don Dahlmann hatte unter der Überschrift "Google und das Problem mit dem Kunden" einen interessanten Beitrag hierzu.
Interessensverteilung bei einem Staat schwankt von Wahl zu Wahl, die ist auch gut so und führt so zu einem gewissen Crowdsourcing der gesellschaftlichen Moral. Da Megakons Wirtschaftssubjekte sind, sind hier zunächst die Regeln aus Vorstand und Aufsichtsrat anzuwenden. Diese Strukturen eignen sich allerdings nur bedingt eine Mitsprache der Anwender zu erzielen.
Honoriert man die positiven Effekte, die die Megakons bringen, so kann aus meiner Seite die Verantwortung für eine Bearbeitung dieser Herausforderungen nicht allein bei den Megakons liegen. Eine Synchronisisierung der Online-Welt mit den Strukturen der Offline-Welt wird wohl eine der Herausforderungen der nächsten Jahre werden. Hoffentlich gelingt dies auf Augenhöhe...
Derzeit lese ich das Buch "Die Kunst kein Egoist zu sein" von Richard David Precht. Bereits in den ersten Seiten wird dort das Thema Moral angesprochen und als eine der Kern-Kompetenzen von Menschen beschrieben. Wem ist schon einmal ein Mensch begegnet, der von sich sagt, dass er keine Moral hat? Ein Mensch, der bewusst schlechtes plant. Sogar Attentäter und Geheimgesellschaften haben eine Moral und glauben an "Das Gute". Nur die Definition, was gut ist, weicht von einem gesellschaftlichen Konsens ab.
"Ein kostenloses Google-Mail Konto nutzen, und gleichzeitig sich über fehlenden Datenschutz beschweren"
Eine solche Aussage ist doch unmoralisch? Ähnliche Aussagen lassen sich aber zu allen Megakons, die heute existieren, aufstellen. Was mir persönlich fehlt ist die Unschuldsvermutung. Bleibt man beim Thema Datenschutz, so liegt die Vermutung nahe, dass jemand mit Vorsatz etwas als gesellschaftlich "unmoralisches" damit tuen wird. Das andere Ziele, wie das Streben nach finanziellem Gewinn, Vorrang vor Harmonie bei den Anwendern hat.
Beruflich hatte ich das Glück mit sehr vielen Personen mit Einfluß sprechen zu können. Konzernlenker, Politiker, Hedge-Fonds Manager und und und.... Die Erkenntniss, die ich daraus gewinnen konnte, ist das jeder moralisch handelt, und mit Weitsicht die Nachteile eines kurzfristigen finanziellen Gewinns gegen die Nachteile einer Disharmonie bei den Personen die Vertrauen schenken, abwägt. Wer glaubt, dass dieser Personenkreis sich den Vorwurf "unmoralisch" zu sein nicht zu Herzen nimmt, der irrt.
Geht es darum im Alltag mit den heutigen Megakons zu interagieren, deren Dienste zu nutzen, so ist moralisches Verhalten eines jeden Einzelnen gefragt. Sehe ich es als unmoralisch an, wenn ein Partybild von mir veröffentlicht wird, so werde ich selbst keine veröffentlichen. Ist auf mein Nutzungsverhalten abgestimmte Werbung ein Eingriff auf meine Privatsphäre, so werde ich keine Werbung buchen, die auf Basis dieser Mechanismen arbeitet.
Ich denke, dass die Verantwortung, die ein Anwender bei der Nutzung der Dienste von Megakons heute hat, deutlich höher ist, als dies vor deren Existenz war. Ein Whistleblower in sozialen Netzen ist effektiver als ein Whistleblower, der mit der Bild-Zeitung spricht. Die Bremse, kein Whistleblower zu sein, kann nur die Moral eines jeden Einzelnen sein.